chronik

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So sieht die „Geburtsurkunde“ des MSC aus! Bald darauf, nämlich am 27.4.1925, wurde der „Taufschein“ mit den Worten

Wir beehren uns, Ihnen anbei die offizielle Anerkennung des Präsidiums für Ihre geschätzte Ortsgruppe zu überreichen

durch den ADAC an den Bezirks-Kraftfahrer-Club Vilshofen ausgestellt. Das Präsidium bestand aus dem 1. Vorsitzenden, Fabrikbesitzer Hans Helling, dem Schriftführer Studiendirektor Michael Kappel, und dem Schatzmeister Karl Eigl, der als eines der ältesten Mitglieder des ADAC die Mitgliedsnummer 3206 hatte.


Dem vorausgegangen war ein Exposé vom 29. Januar 1927 über die Bedeutung und Möglichkeit der Abhaltung von Motorradrennen auf der Pferderennbahn Vilshofen. Nach Hinweisen auf die erfolgreichen Rennen in Daglfing, Pfarrkirchen und Mühldorf mit folgender Zusammenfassung:

pferderennenDer unterzeichnete Club würde es daher begrüßen, wenn die Vilshofener Pferderennbahn in einen Zustand versetzt würde, der auch die Abhaltung von Motorradrennen technisch möglich macht; er wäre in diesem Falle bereit, durch Abhaltung von Motorradrennen nach seinen Kräften dazu beizutragen, die für die Instandsetzung der Bahn nach dem Muster der vorerwähnten Pferderennbahnen aufgewendeten Mittel im Laufe der Zeit zu realisieren.

Dieses Schreiben hatte auch andere Clubs wach gerüttelt, und so wurden die ersten Sandbahnrenen anfangs der 30er Jahre durch den Traberzucht- und Rennverein veranstaltet, während die Kraftfahrervereinigung nur Geschicklichkeitsturniere und ähnliche Veranstaltungen durchführte.

Nach dem Krieg fanden sich ehemalige Mitglieder der Kraftfahrervereinigung zusammen, um auf der vorhandenen Sandbahn Motorsportveranstaltungen zu organisieren. Bei der Neugründung des Vereins entstand der Name „Motor-Sport-Club Vilshofen e. V. im ADAC“, aber damals war von der Militärregierung festgelegt, dass sich „nicht mehr als fünf Personen ohne Erlaubnis“ zusammenfinden dürfen, was jede Veranstaltung unmöglich machte


motorradrennenMan versuchte dann 1946 ein Motorradrennen aufzuziehen, doch da beschloss der Vilshofener Stadtrat: Mit Rücksicht auf die allgemeine Benzinknappheit und den Umstand, dass ein erhöhter Verbrauch von Bier (!!!) u. s. w. in der heutigen Zeit nicht begrüßenswert erscheint, wird die Durchführung des geplanten Motorradrennens auf der hiesigen Rennbahn nicht gestattet.

Ein Jahr später versuchte man wieder ein Rennen abzuhalten, aber dieses Mal war es das Bayerische Innenministerium, das auf Weisung der Militärregierung alle Motorsportveranstaltungen im Land zu verbieten hatte.

Endlich, 1948, lief das erste Rennen nach dem Krieg – und zwar genau am Tag der Währungsreform! Die Folge davon war, dass keine Geldpreise an die Fahrer ausgezahlt werden konnten, sie sich also mit einer kräftigen Brotzeit begnügen mussten. Bei diesem Rennen zeigte sich wieder einmal die Tücke der Bahn und hier speziell die der Fahrerlagerkurve mit einem schweren Abstieg von Warren Sutherland, einem Angehörigen der Besatzungsmacht. Immer wieder passierten dort folgenschwere Stürze – das letzte „Opfer“ war an dieser Stelle vor 2 Jahren im Training Gerd Riss, der danach nur mehr heimfahren konnte.


motorradUnter dem Präsidium von Georg Plattner erfolgte 1951der nächste Anlauf, eine Rennserie auf der Bahn aufzuziehen, freilich hielt man das hauptsächlich aus finanziellen Gründen nicht lange durch. Es dauerte dann bis 1964, bis es endlich gelang, Rennen aufzuziehen, bei denen der Club nicht mehr schwer draufzahlen musste und man so für die Zukunft planen konnte. In den folgenden Jahren wurde eine Anzahl von WM-Vorläufen bis hin zum Halbfinale ausgerichtet, wobei sich der neue und derzeitig noch im Amt befindliche 1. Vorstand Siegfried Stadler ab 1976 große Verdienste erwarb. Eine Regelung durch die FIM, dass Weltmeisterschafts-Endläufe nur auf 1000m- Bahnen ausgefahren werden, machte diesbezügliche Hoffnungen jedoch zunichte.

sigi stadlerAuf der Sandbahn wurden in der Folge fast nur mehr offene Rennen ohne Prädikat ausgerichtet. Also stiftete die Stadt als Ehrenpreis den „Goldenen Stadtturm“, der den Siegern der int. Soloklasse überreicht wurde und der mit der Zeit auch wegen seines materiellen Wertes sehr begehrt war. Als Gewinner sind mir noch die Fahrer Poschenrieder, Angermüller, Siegl, Tatum, Barth und Riss in Erinnerung. Der Höhepunkt des Publikumsinteresses an den Veranstaltungen war in den Jahren 1979 bis 1986, in denen bis zu 8000 Zuschauer die Rennen besuchten. Leider nahm in den darauffolgenden Jahren die Attraktivität der Rennen und damit auch die Zuschauerzahl ab, da kaum mehr Fahrernachwuchs für die Langbahn auftauchte. Dies führte schließlich so weit, dass dieses Jahr und voraussichtlich auch in der nächsten Zeit keine Motorradrennen mehr in Vilshofen veranstaltet werden.

Der Vorstand des MSC hat beschlossen, Motorsportveranstaltungen anderer Art auf der Rennbahn zu veranstalten.